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Und täglich grüßt der Rettungsschirm

Das wird bestimmt das Unwort des Jahres 2011: „Rettungsschirm“. Zumindest aber wird es als erste von den Finanzmärkten ausgeführte „Denial of service„-Attacke auf die Regierungen der EU in die Geschichte eingehen. Da die Politik sich sozusagen im Tagesrhythmus mit der Erweiterung des Rettungsschirmes befassen muss bleibt keine Zeit mehr um andere wichtige Dinge anzugehen.

Zu diesen nun vernachlässigten wichtigen Dingen gehört zum Beispiel ein neues Wahlgesetz ohne das zukünftige Wahlen eigentlich gar nicht möglich sind, weil das aktuelle Wahlgesetz vom Bundesverfassungsgericht als „verfassungswidrig“ eingestuft wurde. Die Frist zur änderung lief am 30. Juni dieses Jahres aus. Ein andere Frist die „verschlafen“ wurde betrifft die Stromnetzbetreiber. Diese Panne wird uns im nächsten Jahr höhere Strompreise bescheren und jeden Bundesbürger im Schnitt 40 Euro kosten.

Aber da die Griechen lieber einen Generalstreik machen als sich mal so richtig anzustrengen „ihre“ Schulden zu bezahlen ist eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms natürlich „alternativlos“. Und weil unsere Kanzlerin ja auch Physikerin ist hat man sich auf das Hebelgesetz besonnen und will das nun auch für den Finanzmarkt anwenden. Die Tagesschau erklärt das Finanzhebelgesetz:

Allgemein bedeutet ein Kredithebel, dass mit Hilfe fremden Kapitals die Wirkung des eigenen Geldes erhöht wird.

Was natürlich nur funktioniert, wenn ich das Fremdkapital zu einem günstigeren Zinssatz bekomme als die Investition die ich tätigen will an Rendite abwirft. Und wenn das schief geht, dann heißt es:

Allerdings werden auch die Verlustrisiken vervielfacht.

Der kleine Unterschied ist, dass das Verlustrisiko deutlich höher ist als die Gewinnchance. Und bei den Planspielen die die Tagesschau durchexerziert geht man von einem funktionierenden Finanzsystem aus. Tatsächlich muß man aber die Frage stellen, warum derjenige der mir das Geld so günstig leihen kann es nicht selbst in „meine“ Investition stecken will um so eine höhere Rendite für sein Geld zu bekommen. Die Antwort dürfte in jedem Fall lauten, dass Geld eben entgegen der landläufigen Meinung nicht arbeitet und sich auch nicht durch Fortpflanzung vermehrt. Die Rendite einer Investition hat immer irgendwer in der Realwirtschaft zu erwirtschaften.

Das weltweite Finanzssystem ist aber derzeit in derart heftigen Turbulenzen, dass einem salopp gesagt der Hebel um die Ohren fliegen wird wenn man ihn anzusetzen versucht. Für den Normalbürger ist das ständige Expandieren des Rettungsschirms sowieso nicht mehr nachvollziehbar wie der Blogbeitrag von Ingo schön zeigt.

Besondere Freude kommt dann noch auf, wenn man lesen darf, dass die Bank of Americ aund JPMorgan CDS (Credit Default Swaps) in Höhe von über 150 Billionen Dollar (ja, richtige Billionen, also das amerikanische Trillion) in ihren Büchern haben die zu implodieren drohen. Das man für eine derartige Summe keinen Rettungsschirm mehr „aufspannen“ kann dürfte wohl jedem klar sein.

Der Systemreset ist unausweichlich, mit der Expansion des Rettungsschirms versucht die Politik sich Zeit zu erkaufen, aber wie bei jeder Seifenblase steigt das Volumen in der dritten Potenz mit der Zeit und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Seifenblase „Rettungsschirm“ platzen wird.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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