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Windows-Verzweiflung

Es gibt zwei Gründe warum ich gelegentlich noch die virtuelle Maschine mit Windows XP starte. Der eine ist, wenn ich ein eBook mit DRM kaufe um es innerhalb einer Windows-Umgebung herunterzuladen und dann in ein freigegebenes Verzeichnis zu schieben und es dort von Linux habholen und auf den eBook-Reader schieben zu lassen. Der andere Grund ist die von unserem Dachverband auf Auge gedrückte Mitgliederverwaltung die ich als Vereinsvorstand hin und wieder nutzen muss.

Bei dieser Mitgliederverwaltung will ich natürlich auch Backups anlegen welche das Verwaltungsprogramm in Form einer ZIP-Datei ausspuckt. Soweit so gut, doch wenn ich diese ZIP-Datei ins freigegebene Verzeichnis schiebe und von Linux abholen will (genauso wie ich das mit den eBooks mache), dann bekomme ich eine Fehlermeldung die mir sagt, ich hätte keine Zugriffsrechte.

Also habe ich neulich mal darüber sinniert, ob es an irgendwelchen Dateirechten liegen könnte. Doch wie guckt man die Dateirechte mit Windows-Bordmitteln an? Ein Rechtsklick auf die Datei und Eigenschaften zeigt keinen Reiter mit „Sicherheit“. Also habe ich in meiner Verzweiflung im Netz ein Tool gesucht. Super, gleich eines gefunden, doch um das zu installieren hat mir die Seite suggeriert ich bräuchte 7Zip um das zu entpacken. Also laden wir das 7Zip runter und… schwupps schon hatte ich einen Trojaner in meiner virtuellen Maschine.

Also hat sich die Aufgabe schlagartig vom „Rausfinden wie die Dateizugriffsrechte sind“ zu „Wie werde ich den verdammten Trojaner wieder los?“ gewandelt, letzteres eigentlich nur weil dieser Trojaner alle paar Sekunden mit einer Fehlermeldungsbox hochpoppte dass der Prozess „dmwu.exe“ wohl ein Problem hätte. Also in der nun sich ausbreitenden Verzweiflung ein Virus-Removal-Tool geladen und das hat erst mal etliche Minuten so getan, als ob es den PC scannen würde um mir danach von 41 Security-Risks – allesamt in Textdateien – vorzujammern und mich dazu zu bewegen, die Vollversion dieses Tools zu kaufen.

Also wieder mal ein wenig beim Hersteller des befallenen OS gesucht, das ging ja einfach weil im Hintergrund auf dem Host ja ein anständiges OS läuft. Die brachten mich dann auf die Idee eines Wiederaufsetzens auf einem früheren Sicherungszeitpunkt und da ich ja die VM wirklich nur sporadisch nutze habe ich also mal den letzten automatisch angelegten Sicherungszeitpunkt für die Systemwiederherstellung gewählt. Danach war der Trojaner weg.

Dann nochmals beim Hersteller geschaut und gelernt, dass der „Sicherheit“-Reiter in den Dateieigenschaften nur sichtbar ist, wenn man an einer Windows-Domäne angemeldet ist, nicht aber wenn man in einer Workgroup ist. Diese Anleitung beschreibt, wie man trotzdem die Dateirechte sehen kann.

Also habe ich mir die Berechtigungen angesehen bei den übertragbaren eBooks und der widerspenstigen ZIP-Datei. Und siehe da: die eBooks haben Vollzugriff für „Jeder“, bei der ZIP-Datei hat „Jeder“ aber keinen Zugriff. Und wenn Linux was vom Windows-Share abholt ohne sich mit einer User-ID verbunden zu haben, dann segelt es wohl auch als „Jeder“. Warum das dämliche Vereinsverwaltungsprogramm die ZIP-Datei so anlegt will ich gar nicht wissen, es reicht mir die Ursache zu kennen und die Dateirechte vor dem Übertragen manuell ändern zu können.

Bei all dem Ärger habe ich im Hinterkopf auch noch die sorgenvolle Frage, was wäre denn wenn ich den Trojaner nicht mehr los geworden wäre und XP hätte neu aufsetzen müssen? Welche Konsequenzen hätte das für Adobe DRM gehabt wo man ja nur bis zu 6 Geräte aktivieren kann und bei all den Experimenten mit DRM die ich damals gemacht habe wurden schon einige dieser Aktivierungen „verheizt“. Wieder ein Grund mehr, DRM zu meiden wie die Pest.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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