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Besuch in der Dependency-Hell

Am Wochenende wurde endlich Debian 7.0 „Wheezy“ freigegeben und als alter Debianer habe ich natürlich am Montag abend dann gleich mal ein Update meines Rechners von Squeeze auf Wheezy angeworfen. Der Teil mit „apt-get upgrade“ ging relativ einfach, hat nur knap 1.5 GB an Daten gesaugt und lief problemlos.

Als ich dann den „apt-get dist-upgrade“ gestartet habe kam die Meldung, dass nochmals knapp 4 GB über die Leitung müssen und das mindestens 3 Stunden dauert. Das war mir zu lange am späten Abend, also habe ich die Kiste laufen lassen.

Als ich gestern abend dann weitermachen wollte erwartete mich ein Terminalfenster mit der Bankrotterklärung der Paketverwaltung, zuviele Konflike die sich nicht mehr automatisch auflösen lassen. Murphy hat also wieder mal voll zugeschlagen und mir eine kleine intellektuelle Herausforderung serviert.

Also habe ich erst mal versucht, einiges an Paketen wegzuwerfen, denn vieles auf meinem Rechner waren Artefakte von irgendwelchen Versuchen. Sozusagen ein vollgemüllter Rechner der sich nicht so einfach upgraden lässt. Aber auch dieses Wegwerfen ging nicht so einfach, denn ich hatte irgendwoher das Paket Xmind und das hat in der Description eine Leerzeile drin, etwas das nun angemosert wird. Egal, vim richtet das schon, und danach ging das fröhliche Paketelöschen los.

Das führte dann dazu, dass ich mir die X-Oberfläche entfernte und sozusagen den Ast absägte auf dem ich gerade saß. Egal, Konsole ist auch ganz nett also hier weitergemacht mit der Säuberungsaktion. Dabei ging dann aber auch aptitude den Bach runter und ich musste es mir erstmal mit apt-get wieder holen. Dann penibel kontrolliert, ob der Bootloader schon stimmt und der neue Kernel drauf ist. Als das gegeben war habe ich mal den Rechner neu gestartet um zu sehen wie weit ich komme. Ja, bis zur Kommandozeile ging es schon mal, nur X wollte nicht weil in der xorg.conf noch der nvidia-Treiber drinstand, nvidia-glx aber nicht installiert war. Nachdem das auch nachgeholt war ging es weiter mit der GUI, hier lief aber erst mal nur XFCE weil Gnome auch bei der Löschaktion den Bach runter ging. Also wieder den Gnome-Desktop installiert und dann ein Versuch. Aber statt dem schönen Gnome3 bekam ich nur eine Fehlermeldung.

Diese kam aber nur auf meinem Account, das gleiche Spiel mit einer anderen User-ID ging problemlos. Also habe ich mal alle versteckten Gnome-Verzeichnisse in meinem Home-Directory umbenannt damit Gnome3 nichts mehr findet was es verwirren könnte. Und siehe da, auch das ging dann sofort.

Dann war es allerdings wieder Zeit für ein wenig Schlaf und heute machte ich dann weiter:

  • Bacula für die Backups konnte problemlos installiert werden und läuft sofort wieder nachdem das Paketskript die Datenbank aktualisiert hatte
  • xsane und Konsorten laufen auch problemlos
  • virt-manager für meine VMs musste neu installiert werden und läut auch sofort weiter
  • Dovecot zickte ein wenig beim Update, nach der Neuinstallation ging es aber auch problemlos wieder
  • Der Druckertreiber mit der hplip zickte ein wenig bei der Systray-App, das konnte aber behoben werden indem man das entsprechende Paket nachinstalliert. Drucken geht also wie zuvor.

Insgesamt bin ich sozusagen wieder einsatzfähig. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber schon noch:

  • Flightgear hat es irgendwie nicht nach wheezy geschafft. Wenn ich also mal wieder Flightgear nutzen will muss ich es wohl selbst bauen.
  • Mein selbstgebautes Wine war zwar in /usr/local/ drin, wollte aber nicht mehr laufen. Das nun installierte Wine läuft auch noch nicht, weil wine eine 32-bit Anwendung ist und den Umstieg auf mutliarch haben will. Das ist zwar eigentlich kein Beinbruch, aber ich kann mich erinnern, dass mir diese Multiarch-Orgie auf dem Bürorechner graue Haare wegen des nvidia-Treibers beschert hat.
  • Skype will auch nicht mehr laufen, denn es ist auch ein 32bit ELF. Ich werde also doch die nächsten Tage mal wieder einen Anlauf mit mutliarch machen.

Insgesamt bin ich ganz zufrieden. Ok, es gab beim Upgrade heftige Trubulenzen, aber das macht die Sache wenigstens interessant. Ein Anfänger hätte wohl aufgegeben und statt des Updates wieder von Null weg installiert. Für mich war es ein Heidenspaß und der Rechner ist jetzt wieder einigermaßen sauber.

 

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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