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Der kleine Chiropraktiker

Neulich habe ich auf meine „Schnäppchengitarre“ Squier Strat neue Saiten aufgezogen. Bei der anschließenden Kontrolle der Halskrümmung stellte ich fest, dass der Hals überstreckt war, am Meßpunkt „8. Bund“ gab es keine Luft zwischen Saite und Bunddraht wenn man die Saite gleichzeitig im ersten und letzten Bund runterdrückt. Normalerweise sollte hier der Abstand zwischen 0,3 und 0,5 mm betragen. Also Zeit für eine Korrektur der Halskrümmung.

Normalerweise steckt man dazu einen Inbus-Schlüssel in das Loch an der Kopfplatte und dreht entweder nach links oder rechts um den Halsstab zu lockern oder zu spannen. In meinem Fall fand ich keinen passenden Inbus-Schlüssel, was mich schon sehr wunderte. Also bin ich am nächsten Tag mal zu Music World gefahren und habe dort in der Grabbelkiste solange gesucht, bis ich einen Inbusschlüssel fand der in den Inbus der Strat passte die da ausgestellt war. Daheim aber trotzdem kein Erfolg, der Schlüssel wollte einfach nicht greifen. Ein Blick in das Loch an der Kopfplatte bestätigte dann auch die Befürchtung, der Innensechskant war nicht mehr sechskantig sondern eher rund.

Also habe ich mich in den einschlägigen Gitarrenforen umgesehen, was man in so einem Fall tun kann. Ein vielversprechende Ansatz war, sich Ausdreher zu besorgen. Das sind Einsätze für den Bohrschrauber die eine konisch zulaufende Spitze haben und wie ein Gewindeschneider für Linksgewinde funktionieren. Sprich, man setzt sie in das Loch der ausgefransten Schraube ein und dreht gegen den Uhrzeigersinn. Der konische Kopf greift irgendwann und man kann die Schraube raus drehen.

Soweit zur Theorie. In der Praxis funktioniert das nicht, denn das Werkzeug ist relativ kurz und auch mit einer Borschrauber-Verlängerung bekommt man nicht genügend Kraft auf die festsitzende Schraube. Als nächstes habe ich dann versucht, mit den Schleifköpfen meines Gravur-Sets einen Schlitz in die festsitzende Schraube zu fräsen um sie mit einem normalen Schraubendreher herauszudrehen. Das war allerdings auch nur so halb erfolgreich.

Immerhin fand ich in der Werkzeugkiste einen Schlitzschraubendreher der im Inbus steckend auf Widerstand stieß, also möglicherweise geeignet um das Ding raus zu drehen. Das Problem an der Stelle waren aber die Stimm-Mechaniken auf der Kopfplatte. Denn die waren genau dort, wo ich kräftig am Griff des Schraubendrehers drehen musste. Also die neuen Saiten wieder runter gemacht und dann alles was störend ist von der Kopfplatte entfernt. Also alle Saiten-Niederhalter und die 6 Tuner. Dann hatte ich freies Arbeitsfeld und konnte die Mutter der Halsstabschraube herausdrehen. Das Bild des „corpus delicti“ seht ihr rechts. Eine Kontrolle mit Gewindeschrauben aus dem Heimwerker-Sortiment lässt mich hoffen, dass das Gewinde hier kein amerikanisches zölliges Gewinde ist sondern schlicht M5, denn eine M5-Schraube lässt sich in diese Inbus-Mutter eindrehen. Das (hoffentlich) passende Ersatzteil gibt es bei Rockinger. Gestern bestellt, wenn alles klappt kann ich am nächsten Wochenende wieder alles zusammenbauen und meine Strat perfekt einstellen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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