Was würdest Du verlangen?

Gestern habe ich meinen 3D-Drucker wieder massiv beansprucht. Am Ende hatte ich einen schönen Clip für Kaffeetüten dessen Bild ich dann auch auf Twitter gepostet habe. Von einer Followerin kam dann die Frage „Angenommen man findet die Idee genial….. Was würdest du für sowas verlangen?“ Nun, die Antwort ist deutlich zu lange für die 280 Zeichen bei Twitter, darum dieser Blogartikel.

Zunächst mal ein Foto des „corpus delicti“:

Der Clip mit Schraubverschluss für die Kaffeepackung

Das Design ist nicht von mir, sondern von Phillip Seeliger der dieses Design auf der Platform Thingiverse zum Runterladen bereitgestellt hat. Damit sind wir gleich mal beim ersten Punkt in der Beantwortung der Frage, nämlich die Lizenz.

Urheberrechte

Phillip Seeliger hat sein Design unter die Creative Commons Lizenz „Attribution – Non Commercial 4.0“ gestellt. Damit legt er fest, dass ich das Ding zwar nutzen und weiterverbreiten darf, aber dieses Design nicht für „commercial use“ nutzen darf. Es wäre also ein Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen, wenn ich jetzt das Ding sagen wir 100x drucken würde und als „Rainers cooler Kaffeebeutelclip“ vermarkten würde.

Das ist eine Lizenz die man so auf jeden Fall respektieren muss, vor allem wenn man sich selbst als „Creator“ sieht. Vollkommen egal, ob das Design jetzt patentierbar wäre oder man sagt „das könnte ich auch konstruieren“, denn ich denke mal, dass der Aufwand es zu konstruieren doch ein paar Stunden dauert, ganz zu schweigen von dem Aufwand den man hatte um diese Design-Skills zu erlangen. Ihr dürft dazu gerne auch diese Geschichte über eine „teure“ Rechnung eines Fachmanns lesen.

Dieses Stehlen von Ideen ist übrigens kein Kavalliersdelikt. In der 3D-Druck-Community gibt es sehr viel Ärger wenn jemand sich einfach bei Thingiverse bedient und dort Entwürfe stiehlt um damit Geld zu machen. Hier ein Video zum Thema „Stolen from Thingiverse“.

Für die weitere Betrachtung nehme ich jetzt einfach mal an, dass jemand dieses Ding haben will und wir überlegen uns wie er das bekommen könnte.

3D-Druckkosten an diesem Beispiel

Dieser Clip besteht aus drei Teilen, dem eigentlichen Clip, einem Rohr mit Gewinde welches in die Kaffeetüte geklemmt wird und dem Schraubverschluss. Sehen wir uns mal an, was dieser Druck „kostet“.

Die reine Druckzeit sind knapp 5 Stunden. Diese 5 Stunden sind „unattended work“, d.h. der 3D-Drucker werkelt einfach vor sich hin.

Und diese 5 Stunden sind der „best case“. In meinem Fall gab es nach etwa einer Stunde beim Druck der Kappe „Spaghetti“ und ich hatte einen Fehldruck, was bedeutet, dass man das Teil in die Tonne treten kann und nochmals von vorne loslegen darf. Ärgerlich, aber manchmal passiert so etwas eben. Ist auch kein Beinbruch, sollte aber in die Kalkulation mit einfließen.

Aber selbst wenn alles funktioniert hat man für jedes Teil im Schnitt 5 Minuten „Einrichtungsaufwand“, denn man muss das Druckbett entfetten, evtl. das Filament laden und eventuell das Druckbett neue ausrichten „leveln“.

Nun schauen wir mal auf die Materialkosten. Laut Cura werden 39g Filament verbraucht, was einem Materialpreis von 85 Cent entspricht. Wenn wir hier noch die möglichen Fehldruck als „Risiko“ draufschlagen würden, dann sind wir bei etwa einem Euro für das Material.

Der nächste Faktor sind die Stromkosten, Andi hat hier mal ein Video gemacht um die Stromkosten für den 3D-Druck zu ermitteln. Ich gehe jetzt einfach mal von einer Fausformel aus: Mein 3D-Drucker dürfte 200W Leistungsaufnahme haben, das mal 5 Stunden Druckzeit bedeutet, dass wir eine Kilowattstunde Energie verbraucht haben. Und eine Kilowattstunde kostet hier in Augsburg ungefähr 30 Cent.

Was auch in die Kalkulation eingehen sollte, wofür ich aber noch keine Erfahrungswerte habe sind die „Wartungskosten“. So ein 3D-Drucker hat diverse Verschleißteile, zum Beispiel die Druckdüse muss hin und wieder gewechselt werden. Und irgendwann wird auch der PTFE-Schlauch im Extruder an der Grenze seiner Lebensdauer angekommen sein und erneuert werden müssen. Oder man braucht gar ein neues „Hotend“. Alles keine wirklich „teuren“ Dinge, aber in einer objektiven Betrachtung der Druckkosten sollten sie nicht vergessen werden. Rechnen wir einfach mal 5 Cent für diese Verschleißteile ein, dann sind wir bei 1,35 Euro für den Druck.

Mein Steuerberater würde jetzt auch noch sagen, ich muss die Abschreibungskosten für den 3D-Drucker mit einrechnen und auch das beanspruchte Raumvolumen in meinem Arbeitszimmer, denn natürlich braucht so ein Drucker auch Platz.

Möglichkeiten es drucken zu lassen

Bevor ich meinen eigenen 3D-Drucker angeschafft hatte habe ich ja mal ein Experiment mit verschiedenen 3D-Druckservice-Anbietern gemacht. Denn natürlich könnte jemand der diesen Kaffeetütenclip unbedingt haben will sich die STL-Dateien bei Thingiverse herunterladen und sie an einen dieser Dienstleister schicken der das dann für ihn ausdruckt. Es wäre IMHO auch keine „Commercial use“ weil ja der Dienstleister das druckt was ich da haben will und es sich somit kaum davon unterscheidet, ob die Druckmaschine jetzt meine eigene ist oder eine die mir der Dienstleister für die Zeit des Druckes vermietet. Ich habe gerade mal die STL-Dateien zu dem günstigsten Anbieter bei meinem Experiment hochgeladen um zu sehen, was das kosten würde. Inklusive 4,99 Euro Versandkosten käme das Drucken dieses Clips dort auf einen Preis von 21,81 Euro, also etwa soviel wie ein Kilogramm meines Fair-Trade-Kaffees kostet.

Wäre jetzt nicht gerade Pandemie und alles geschlossen könnte man auch mal sehen, ob es in der eigenen Umgebung einen Makerspace gibt in dem man vielleicht gegen geringere Kosten 3D-Drucke machen kann. Hier gibt es eine Karte mit Makerspaces in Deutschland. Für meine Stadt Augsburg würde mir hier das OpenLab einfallen. Aber selbst wenn es offen wäre könnte ich mir schon vorstellen, dass Dinge wie 3D-Druck viel genutzt werden und man so lange Wartezeiten hat.

Am besten ist es natürlich, wenn man jemanden kennt der einem das Ding drucken kann. Oder selbst einen 3D-Drucker hat. Wobei ich hier natürlich sagen muss, dass so ein Ding noch einen hohen Nerd-Faktor hat, zum Teil eine steile Lernkurve und ich jetzt eben niemandem raten würde „Kauf Dir den 3D-Drucker um diesen Clip zu drucken“. Das wäre tatsächlich wie wenn man für ein Glas Milch eine Kuh kaufen würde.

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