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Für all die Kriegsgeilen

Das Aristo-Blog hat einen schönen Artikel zur aktuellen Entwicklung in Richtung Krieg geschrieben, er trägt den Namen Feldpost weil er unter anderem auch einen Feldpostbrief aus Stalingrad veröffentlicht in dem mitgeteilt wird, dass ein Familienmitglied gefallen ist.

Mein Vater wäre nächsten Freitag 100 Jahre alt geworden. Er war auch in Stalingrad dabei, hat dort ein die Sehkraft auf einem Auge verloren und zudem die Füße im russischen Winter so erfroren, dass er als langfristige Spätfolge dann zum Frührentner wurde. Meine Mutter wurde 1917 geboren, in einem kleinen Kaff in der Nähe der Danziger Bucht und ihre Familie wurde dann aus ihrer Heimat vertrieben. Beide sind nun schon viele Jahre tot, aber ich habe immer noch die Erzählungen meiner Mutter im Kopf wie das damals war als man bei jedem Fliegerangriff in die Keller musste und da dann ängstlich drauf wartete, dass es vorbei ist und der Bombenhagel das Haus nicht trifft. Und Augsburg, besonders auch Haunstetten war damals ein prmäres Angriffsziel, denn gleich um die Ecke war das Werk von Messerschmitt in dem Kriegsmaterial produziert wurde.

Mein Vater hat nicht viel über seinen „Ausflug“ nach Russland erzählt, wenn er es aber tat, dann hat man deutlich gesehen, wie sehr es ihn belastet hat was er da alles erleben musste. Das Elend des Krieges den er nicht wollte, an dem er aber teilnehmen musste, denn so was wie den Kriegsdienst zu verweigern war damals undenkbar. Einer seiner Brüder starb irgendwo in Russland, das einzige was an ihn erinnerte war ein Bild von einem Waldweg das „der Onkel Walter“ mal gemalt hat bevor er in den Krieg ziehen musste.

Der letzte Weltkrieg ist lange her. Doch die Not und die Entbehrungen waren fest in den Köpfen meiner Eltern drin, sie waren die Generation die alles aufhob, denn man könnte es ja noch irgendwann mal für irgendwas brauchen. Da wurde nichts weggeworfen, und als jüngstes Kind der Familie hatte ich die tolle Erfahrung alle abgelegten Kleidungsstücke meiner Geschwister noch auftragen zu dürfen.

Meine Kinder können sich so etwas gar nicht mehr vorstellen. Krieg ist etwas Abstraktes das woanders stattfindet und das zwar schlecht ist, aber eben auch etwas ist das sie (die Kinder) nicht ändern können. Und ich selbst in ja anerkannter Kriegsdienstverweigerer, denn als meine Einberufung anstand gab es kurz zuvor den Abschuß von KAL 007 über Sachhalin. Also nicht exakt die weltpolitische Situation die einen motiviert zur Bundeswehr zu gehen.

Und heute? Wir steuern auf einen erneuten Krieg zu, wobei „wir“ in diesem Fall die Marionetten in der Politik sind die ohne Sinn und Verstand das tun was der Strippenzieher im Hintergrund befiehlt. Und im nächsten Krieg der in Europa stattfindet brauchen wir wenigstens nicht mehr in den Keller, denn hier können Waffen zum Einsatz kommen gegen die ein Keller keinen ausreichenden Schutz mehr bietet, selbst wenn die Explosion relativ weit weg stattfindet. Aber wenigstens brauchen wir uns dann keine Sorgen mehr um so banale Dinge wie den möglichen Verlust des Arbeitsplatzes mehr machen.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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