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Ich bin ein Terraner!

Ja, ich oute mich mit der Überschrift als (ehemaliger) Leser der Science-Fiction Romanserie „Perry Rhodan“. Ich habe diese „Groschenromane“ gerne gelesen, denn sie beschrieben eine geeinte Erde deren Völker in Frieden lebten. Das funktionierte weil man Dinge wie Armut und Hunger auf der Erde besiegt hatte und damit wohl auch den Neid. Von einem solchen utopischen Zustand sind wir allerdings meilenweit entfernt, ganz im Gegenteil, hier wird immer mehr Hass, Neid und Mißgunst geschürt. Neuestes „Highlight“ in dieser Serie der Peinlichkeiten ist PEGIDA. Ja, ich musste erst mal eine Suchmaschine anwerfen um rauszfinden, was diese Abkürzung eigentlich heißen soll.


Ausgeschrieben steht da „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Das mußte ich zweimal lesen, in meinem Kopf entsand ein massives „WTF?“ und ich kann eigentlich nur den Kopf über soviel Dummheit schütteln.

Der Begriff „Patriotische Europäer“ ist ja durchaus geeignet, jeden Oxymoron-Detektor zum Explodieren zu bekommen. Laut Wikipedia sind Patrioten Leute die ihr Vaterland lieben. Also Nationalisten und Europa ist zwar ein Zusammenschluß von Nationen, aber diese Idee droht eben genau an nationalen Interessen zu scheitern. Schlagt doch mal einem unserer deutschen Patrioten vor, dass wir Gelder für die Rettung von den europäischen Ländern locker machen sollen, die wegen der Finanzkrise in Schwiergkeiten stecken, dann werdet ihr schnell sehen, wie es um den „europäischen Patriotismus“ bestellt ist. 🙂

Ich bin definitv kein Patriot. Der Zufall, dass ich hier auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland geboren wurde macht mich nicht zu einem anderen Menschen. Andere kommen an anderen Orten auf diesem Planeten auf die Welt und sind deswegen aber nicht weniger wert. Das ist so in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes zementiert: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Auch deshalb sehe ich mich eher als Terraner, also als Bürger dieser Erde und nicht als Deutscher, Europäer oder was auch immer. Politische Grenzen sind ja nichts weiter als Striche auf der Landkarte und langfristig bedeutungslos.

Das Feindbild dieser PEGIDA-Bewegung ist „die Islamisierung des Abendlandes“. Oh je, immer wenn jemand den Untergang es Abendlandes prophezeiht will er von eigenem Versagen ablenken (stammt glaube ich von Volker Pispers oder einem anderen Kabarettisten). Dieser Slogan zeigt deutlich, dass man es beim Lesen des Grundgesetzes nicht mal bis Artikel 4 geschafft hat, denn hier wird die Freiheit der Religionsausübung gewährleistet. Ich respektiere und toleriere andere Religionen, egal ob es nun Hinduismus, der Islam oder gar der Pastafarianismus ist der sich im Osten Deutschlands ja auch schon öffentlich zeigt. Wenn Menschen ihr Leben besser bewältigen indem sie an eine höhere Macht glauben, dann ist das ihr gutes Recht und ich respektiere das. Meine Mutter war zwar nicht jeden Sonntag in der Kirche, aber ihr Glaube an einen Gott hat ihr in der Endphase ihrer schweren Krankheit die sie letztlich dahingerafft hat sehr viel Kraft gegeben. Und wenn jemand an eine andere höhere Instanz glaubt, dann respektiere ich das genauso.

Klar, der Islam hat es momentan sehr schwer. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 ist der islamistische Terrorist das Lieblingsfeindblid der westlichen Welt und der Krieg gegen den Terror ist auch ein Krieg gegen Islamisten. Dass dieser Krieg vor allem monetäre Interessen der Rüstungskonzerne bedient und zudem vom desolaten Zustand der kriegführenden Nationen ablenken soll fällt da kaum auf und ins Gewicht. Ganz im Gegenteil, man züchtet sich neue Feinde wie die IS heran, die ihren Opfern ganz Barbarisch den Kopf abschneiden um die Angst vor den Islamisten zu schüren. Und dank der deutschen Presse-Sturmgeschütze wird die Angst vor den islamistischen Terroristen gerne auch gleich mal zur generellen Angst vor der Religion „Islam“ umgedeutet.

Denn natürlich sind religiöse Extremisten eine Gefahr für uns alle. Erzählt man uns jedenfalls. Was dabei untergeht ist, dass die Religion des Abendlandes welches man hier gegen die zunehmende Islamisierung längst nicht mehr das Christentum ist sonder eher der Kapitalismus in seiner widerwärtigsten Form, nämlich der Neoliberalismus. Unsere Politiker klammern sich unbeirrbar an eine Ideologie, die auf der ganzen Linie als gescheitert anzusehen ist und sorgen damit für die Verelendung von Menschen und Nationen. Jede Kritik an der herrschenden Lehre wird wie Blasphemie behandelt und mittlerweile sind wir soweit, dass man in Deutschland z.B. ein Studium der Volkswirtschaft abschließen kann ohne sich jemals mit den Lehren eines Karl Marx beschäftigt zu haben. Weil der hatte ja absolut unrecht wie man am Zerfall der ehemaligen Sowjetunion sehen kann wird einem dann erklärt. Dass das Boot des Kapitalismus sich ein wenig länger mühsam über Wasser halten konnte belegt nicht wirklich dessen Seetüchtigkeit, aber natürlich ist es einfacher blind einer Ideologie zu folgen als die Realität zu reflektieren und Kurskorrekturen vorzunehmen.

Oh ja, „Kurskorrekturen“ macht man. Nachdem zur Jahrtausendwende ein deutscher Kanzler vor der Versorgungslücke im Alter gewarnt hat und die gesetzliche Rente an die Versicherungswirtschaft verkauft hat wird nun von unserer Regierung weiter das System der gesetzlichen Rente demontiert und man warnt wieder vor der Altersarmut die man genau damit erst produziert. Das wären Dinge gegen die man jeden Tag auf der Straße demonstrieren sollte, aber das ist politisch ja gar nicht gewollt. Da ist so ein Grabenkampf gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ doch viel nützlicher, denn er bedient gängige Feindbilder und lenkt mal wieder vom Versagen des Systems ab.

Und es ist ein Armutszeugnis für die Bildungspolitik im Land, wenn Leute solchen Hasspredigern auf den Leim gehen. Zum Glück gibt es auch

intelligente Leute wie z.B. FrauMaja die auch ein polemisches Blogposting gegen Pegida verfasst hat. Solange es noch Leute gibt die mitdenken und vor allem selbst denken besteht noch Hoffnung.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Ich mochte Atlan, den Kristallprinzen lieber.. 😉

    Religionen und Dogmen an sich sind, noch vor den Nationen, dass große Problem der Menschheit:
    Ziehen Menschen gerade nicht wegen einer Nation in den Krieg, ist es wegen der Religion (und/oder der Ideologie).

    Nüchtern denkende, mündige Bürger gibt es zu wenige.

  2. Über diesen „Verein“ wusste ich bis jetzt noch nichts. Werden wir diese braune ……. eigentlich niemals los?????

    Ein Volk wie wir, dass seit Urzeiten eine kräftige Durchmischung erlebt hat, weil hier Alle Völker durchgezogen sind, erdreistet sich nach wie vor, ……………….. bäh!

    Und was heißt schon „christliches Abendland“, ist das etwa etwas, auf das wir stolz sein können??? Kann hier irgendwer die Geschichtbücher nicht wirklich lesen?????????????????

    In unserer heutigen Zeit, wo wir wirklich auf kurzem Wege uns Informationen verschaffen können, sind „wir“ immer noch nicht in der Lage zu reflektieren????????

    Die Frage, warum „wir“ das nicht können ist recht einfach zu beantworten……….. geht in die Schulen und schnappt Euch die Mappen eurer Kinder. Lest, wie wenig vertieft entsprechende Themen im Unterricht zu Geschichte, Philosophie, Religion, Deutsch usw. usf. werden!

    Die Misere dessen, dass die Kinder und Jugendlichen nicht zum eigenständigen Denken auch in der Schule angeleitet werden, beginnt schon sehr früh. Spätestens ab der 5. Klasse. Dies setzt sich natürlich fort……..