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Quo vadis Menschheit?

Gestern war wieder der übliche Sonntag der abends auf Twitter mit Tatort und Jauch ausklang. Da ich nicht schlafen konnte guckte ich mal, was die Zuseher so über Jauch zu sagen haben und da stolpere ich über folgenden Tweet:

„boah! lügt dreist bei – natürlich war die ein Militärbündnis gegen Sowjetrussland“

Da wurde ich natürlich hellhörig, denn wenn ein Bildzeitungs-Journalist so etwas behauptet, dann würde mich das nicht wundern, aber von der amtierenden Bundesverteidigungsministerin erwarte ich ganz einfach ein wenig Grundwissen über die militärischen Bündnisse. Wenn dieses Grundwissen nicht vorhanden ist, dann könnte sich die Frau Ministerin ja mal darüber schlau machen, Wikipedia hat die Artikel zu NATO und Warschauer Pakt.

Ich versuche gerade, mir diese Sendung vom Medienserver anzusehen, aber es ist so grausame Propaganda, dass ich eigentlich nur noch verifizieren will, ob Frau von der Leyen das gesagt hat und dann mache ich das wieder aus, denn es grenzt an Körperverletzung wenn man diese Kriegspropaganda hören muss.

Zum Thema Kriegspropaganda haben die NachDenkSeiten heute in den Hinweisen des Tages einen Punkt mit einer Anmerkung eines Lesers, der fragt ob die Idee unserer Verteidigungsministerin Truppen an die NATO-Außengrenzen zu schicken nicht den Tatbestand der „Vorbereitung eines Angriffskrieges“ erfülle. Denn natürlich ist es genau das, was der Westen Vladimir Putin vorwirft wenn dieser in Grenznähe zur Ukraine Militärübungen macht.

Aber wenn ich dann noch den Kommentar von Albrecht Müller dazu lese, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken:

Die spinnen alle, haben keine Ahnung vom Krieg und hetzen deshalb rücksichtslos. In wessen Hände sind wir da geraten?

So ein Kommentar von einem Menschen den ich bisher als freundlich, besonnen und ausgeglichen wahrgenommen habe zeigt deutlich, dass die Nerven bei den eigentlich vernünftigen Menschen blank liegen.

Mittlerweile habe ich das im Tweet erwähnte Zitat tatsächlich aus dem Mund unserer Verteidigungsministerin gehört. Und meine Frau die gerade vorbei lief merkte an, dass es der Dame wohl am Realitätssinn mangle. Auf die Info, dass diese Dame unsere amtierende Verteidigungsministerin ist war sie dann auch erschüttert. Sie meinte, wenn jemand mit 13 Jahren so etwas sagen würde wäre das noch verständlich, aber auf die Info, dass Frau von der Leyen Jahrgang 1958 ist war sie echt sprachlos.

Damit ist Frau von der Leyen sogar noch älter als ich. Und ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern als meine Eltern vom Krieg erzählten den sie als junge Menschen erleben mussten, von dem ängstlichen Ausharren im Luftschutzkeller und der ständigen Angst, dass sie den nächsten Tag nicht mehr erleben werden. Möglicherweise war das bei Frau von der Leyen anders, sie entstammt ja einer Familie die es sogar über die Relevanzhürden der deutschen Wikipedia geschafft hat und diese Leute haben den zweiten Weltkrieg vielleicht anders erlebt als das gemeine Volk. Trotzdem kann man nicht so merkbefreit sein, dass man einen Krieg vom Zaun brechen will. Und wenn der Konflikt tatsächlich eskaliert haben wir durchaus Chancen, dass wir den Beginn des militärischen dritten Weltkrieges erleben. Ein dritter Weltkrieg der laut diesem Artikel bereits 2008 als von der Krim ausgehend vorhergesagt wurde. Nun denn, sollte es dazu kommen, dann wird es relativ schnell gehen, denn gegen die geballte Vernichtungskraft der auf beiden Seiten noch vorhandenen Massenvernichtungswaffen hilft auch kein Gang in den Keller des Hauses, auch wenn man uns damals in der Schule beim Selbschutzlehrgang noch beibringen wollte im Falle eines Atomschlages eben in den Straßengraben zu springen und die Aktentasche über den Kopf zu halten. Ja, ich habe damals den kalten Krieg noch live miterleben dürfen und das Feindbild des Russen der vor der Tür steht. Und Propaganda die uns mit „lieber tot als rot“ zu Soldaten erziehen wollte.

Und es ist euch sicher aufgefallen, dass ich im obigen Absatz vom „militärischen dritten Weltkrieg“ gesprochen habe. Denn ökonomisch ist der dritte Weltkrieg meines Erachtens schon längst im Gange. Man lese dazu einfach mal Bücher wie „Schockstrategie“ von Naomi Klein oder auch ganz aktuelle Meldungen über die Folgen der Austeritätspolitik in den südeuropäischen Ländern. So man denn überhaupt was davon lesen kann, denn momentan ereifern sich die Medien ja darin das Feindbild Putin zu pflegen, alternativ Betroffenheit über die Opfer des Malaysia Airlines Fluges MH370 zu heucheln oder, was natürlich auch eine Top-Schlagzeile ist über den Bauantrag des Nationaltorhüters am Tegernsee zu berichten. Zum Glück gibt es das Internet und Heiner Flassbeck hat heute auf seiner Webseite wieder über eine Großdemonstration in Spanien berichtet bei der zigtausende, wenn nicht sogar Hundertausende auf die Straße gingen um gegen die Folgen der total kranken Austeritäspolitik zu demonstrieren. Und auch bei Flassbecks Schlußbemerkung lese ich eine gewisse Verzweiflung über die deutsche Politik heraus:

Was machen wir, wenn die Menschen in Südeuropa nicht nur demonstrieren, sondern physisch auf die Barrikaden gehen und dem deutschen Austeritäts-Diktat nicht mehr folgen wollen? Schicken wir dann die Bundeswehr, um die deutschen Handelswege freizuhalten und den deutschen Überschuss zu sichern? Was ist, wenn sich in Europa einmal eine kritische Masse von Ländern in Brüssel klar gegen den deutschen Kurs ausspricht, weil sie die sozialen Konsequenzen zu Hause nicht mehr verkraften können? Schicken wir dann Klitschko hin und organisieren einen Umsturz zu unseren Gunsten?

Flassbeck sieht hier das Pulverfass Europa an dem bereits die Lunte brennt und man könnte fast geneigt sein, das europäische Engagement in der Ukraine einfach als Ablenkungsmanöver zu sehen um von den katastrophalen Zuständen in Südeuropa abzulenken. Und so kommt auch der Spiegelfechter heute zu dem Schluß, dass es in der Ukraine nur noch um Wirtschaftsinteressen geht.

Apropos Wirtschaftsinteressen, da war doch noch was. Ja richtig, die EU verhandelt mit dem „transatlantischen Freund“ über ein Freihandelsabkommen, auch TTIP genannt. Und das wird heute bei der Rationalgalerie als das bezeichnet was es darstellt, nämlich eine Wirtschafts-NATO.

Und damit stellt sich die Frage, wohin sich die Menscheit entwickelt. Ich persönlich finde es ja eigentlich sehr bizarr, dass ich auf die Vernunft und Besonneheit eines russischen Machos hoffen muss um für Europa und die Welt eine halbwegs friedliche Zukunft zu sehen, denn die „Guten“ unter Führung des Friedensnobelpreisträgers entpuppen sich immer mehr als Kriegstreiber.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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