Das Vorsorge-Paradoxon

Diese Woche hat der Bundestag eine neue Form der privaten Altersvorsorge1 beschlossen. Das ganze erinnert an die Riester-Rente mit der die Regierung Schröder die Altersvorsorge an die Finanzwirtschaft verkauft hat und diese sich eine „goldende Nase“ verdiente, zudem mit den Sicherheitsgarantien, dass der Riester-Sparer am Ende nicht draufzahlen sollte. Auch bei der neuen privaten Altersvorsorge soll es Zuschüsse vom Staat (sprich Steuerzahler) geben und das ganze soll helfen, dass Menschen im Alter ihren Status Syrien-Debatte von Merz: „Wie anmaßend ist es, Menschen als hin- und herschiebbare Masse zu betrachten?“Quo nach Möglichkeit halten können sollen. Ich will auch gar nicht dieses Vorsorgepaket in diesem Artikel behandeln, sondern die Frage stellen, wie ambivalent unsere Regierung derzeit handelt.

Mit dem gerade verabschiedeten Programm zur privaten Altersvorsorge haben wir also das Problem des individuellen Bürgers erkannt und bieten eine Lösung an, die vielleicht nicht für alle funktioniert, aber zumindest ein Angebot ist. Nun ist aber nicht nur das individuelle Halten des Status Quo ein Problem, sondern als Gesellschaft haben wir ebenfalls das Problem, dass die Baby-Boomer-Jahrgänge nun in Rente gehen und damit das Risiko verbunden ist, dass „der Laden nicht mehr am Laufen gehalten werden kann.“ Sprich wir brauchen mehr Arbeitskräfte als wir durch unseren stagnierenden Nachwuchs dem Arbeitsmarkt bieten können und so wurde schon 2024 festgestellt, dass Deutschland eine Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen im Jahr2 braucht um seinen gesellschaftlichen Status-Quo zu halten.

Doch was macht unsere Regierung:

  • Innenminister Dobrindt führt weiter nach EU-Recht illegale Grenzkontrollen durch und weist Menschen zurück.
  • Friedrich Merz irritiert erst mit seiner „Stadtbild“-Aussage3, versucht dann das Thema „Gewalt gegen Frauen“ zu einer Debatte über „Gewalt durch Ausländer“ umzudeuten4 und verkündet diese Woche, dass doch bitte 80% der in Deutschland lebenden Syrer nach Syrien zurückkehren sollen5.

In der Frankfurter Rundschau schreibt Katja Thorwarth dann auch sehr richtig, dass es eigentlich eine bodenlose Anmaßung von Friedrich Merz ist, hier Menschen als frei verschiebbare Masse zu behandeln6. Wir reden hier nicht von irgendwelchen Werkstücken die zwischen Standorten hin und her geschoben werden, sondern von Menschen die sich hier eine Existenz aurfgebaut haben und ohne die der Laden hier nicht laufen wird, denn viele dieser Menschen arbeiten im medizinischen Sektor.

Da hilft es auch nichts wenn unser Kanzler die Bundesbürger in Dauerschleife als „faul“ und „arbeitsscheu“ diffamiert und das Rentenalter möglichst erhöhen will, damit wir das demographische Problem einer überalternden Gesellschaft noch ein wenig in die Zukunft schieben können.

An dieser Stelle muss ich mir die Frage stellen, wie rassistisch und rechtsextrem die aktuelle Bundesregierung unterwegs ist. Abstrakt gesprochen ist das was Merz über die Syrer äußert nichts anderes als die „Remigration“ welche die Rechtsextremen bei ihrem Treffen in Potsdam im November 2023 auf dem Zettel hatten. Der Mann, der mal behauptete die AfD halbieren zu wollen setzt also nun deren Pläne um?

  1. Wie soll die neue private Altersvorsorge funktionieren? (Verbraucherzentrale) ↩︎
  2. Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland (Bundeszentrale für politische Bildung) ↩︎
  3. Merz` Problem mit dem Stadtbild (Deutschlandfunk) ↩︎
  4. Merz irritiert mit Aussagen zur Zuwanderung (Tagesschau) ↩︎
  5. Merz überrascht mit „80 Prozent“-Aussage (ZDF heute) ↩︎
  6. Syrien-Debatte von Merz: „Wie anmaßend ist es, Menschen als hin- und herschiebbare Masse zu betrachten?“ (Frankfurter Rundschau) ↩︎

KI und ihre Probleme

Ich bin ja, was die Computertechnik angeht jemand, der noch die „Dinosaurier“ gesehen hat und während meines Studiums durfte ich sogar Programme auf Lochkarten stanzen. Jetzt, 45 Jahre später haben wir überall Künstliche Intelligenz und KI scheint nach „Blockchain“ das neueste Buzzword zu sein wenn man „mitreden“ will. Daher hier nun mal meine Sichtweise auf die Künstliche Intelligenz.

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Neue Debatten braucht das Land

Nach dem Amtsantritt von Friedrich Merz im Bundeskanzleramt gibt es eine neue Debatte im Land. Endlich scheint man eingesehen zu haben, dass das ständige Bespielen von AfD-Positionen nur die gesichert rechtsextreme Partei stärkt, daher halten wir jetzt lieber mal den Ball flach und machen zwar weiterhin illegale Grenzkontrollen im Schengen-Raum und werden wohl auch am Mittwoch die Begrenzung des Familiennachzugs für Geflüchtete beschließen, aber das Volk braucht eine neue Debatte. Also schießt die Union aus allen Rohren auf die sogenannte Work-Life-Balance und den 8-Stunden-Tag. Sowohl Friedrich Merz als auch Generalsekretär Carsten Linnemann in die Diskussion gewagt und haben die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgefordert, mehr Einsatz zur Erhaltung des Wohlstands zu zeigen.1 Zeit, mal auf diese Shit-Debatte zu zerpflücken.

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Neue Götzen braucht das Land

Was haben wir andere Länder doch als „rückständig“ und „mittelalterlich“ angesehen, als wir gelesen haben, dass dort der Kreationismus an den Schulen unterrichtet wird und die Evolutionstheorie eher unerwünscht ist. Doch gestern lief eine Meldung durch Twitter, dass Nordrhein-Westfalen nun Sozialwissenschaften streichen will und das durch das Fach Wirtschaftspolitik ersetzen will.

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Solidaritätsprinzip

Letztes Wochenende lief eine bemerkenswerte Spendenaktion. Eine 35-jährige Kinderkrankenschwester steht als alleinerziehende Mutter mit 4 Kindern vor der Herausforderung, dass sie für die Klassenfahrten von den zwei ältesten und die Betreuung mal eben 750 Euro braucht. Geld das nicht da ist. Also startet sie einen Spendenaufruf.

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Es brennt in Deutschland

Und zwar täglich. Jetzt ist in Bautzen eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgegangen. Und die Schaulustigen haben dazu gejubelt, was dem Begriff „Schaulustiger“ ja eine ganz neue makabere Bedeutung verleiht. Und die Feuerwehr wurde bei ihren Löscharbeiten massiv behindert. Ein paar Tage vorher wurde in Clausnitz ein Omnibus mit Flüchtlingen von einem johlenden Mob aufgehalten der rechtsradikale Parolen skandierte. Schuld daran sind laut Ausagen des sächsichen Polizeipräsidenten auch die Flüchtlinge. Die Anwesende Polizei versuchte den Mob mit Platzverweisen aufzulösen was dieser mit Gelächter quittierte. Als dann ein wohl 10-jähriger Flüchtling aus dem Bus heraus die international bekannte Geste für eine individuelle Mißfallensäußerung benutzte eskalierte die Situation sofort und die Flüchtlinge wurden mit Gewalt von der Polizei aus dem Bus geholt.

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Die Links des Tages – 2015-08-26

Heute haben sich schon wieder genügend Links angesammelt um sie hier zu posten.

  1. Das Griechenland-Blog hat eine Chronik der Griechenland-Krise veröffentlicht, damit man mal sieht wie lange das Elend und die nutzlosen Maßnahmen schon anhalten.
  2. Passend dazu gibt es bei den NachDenkSeiten einen Rant über ein Kaffeekränzchen von alten Damen die hemmungs- und vor allem gefühllos die Griechenland-Propaganda nachplappern.
  3. Das Toolblog hat einen schönen Artikel über die Verfassung der Republik Užupis geschrieben. Diese Verfassung ist durchaus lesenswert und vor allem angenehm kurz.
  4. In die Kategorie „broken by design“ reiht sich wohl das neue Galaxy Note 5S von Samsung ein. Da kann man nämlich den Stift auch verkehrt herum in den Halter einschieben und damit das Gerät sozusagen mechanisch schrotten. Natürlich steht in der Anleitung (die man sich runterladen muss), dass diese Gefahr besteht und man das daher nicht tun soll. Aber irgendwie hätte man das auch narrensicher konstruieren können.
  5. Jörg Wellbrock hat auf Spiegelfechter einen schönen Artikel über den Fremdenhass und das Versagen der Politik geschrieben.
  6. Der Oberbürgermeister von Erfurt, Andreas Bausewein, nebenei auch SPD-Chef von Thüringen möchte die Schulpflicht für Flüchtlingskinder aussetzen solange deren Aufenthaltssatatus noch nicht geklärt ist. Also kein Recht auf Bildung für Flüchtlingskinder, denn man hat ja vielleicht die Möglichkeit sie wieder abzuschieben und dann wäre der Aufwand umsonst gewesen. Sollte Herr Bausewein jemals eine humanistische Bildung erhalten haben, dann war diese offensichtlich auch umsonst.

Europa vor der Entscheidung

Gestern hat Griechenland sich entschieden, sich nicht weiter den Sparmaßnahmen der „Institutionen“ zu unterwerfen und hat somit ihrem Regierungschef Alexis Tspipras den Rücken gestärkt. Und diese Entscheidung wird zu weitreichenden Konsequenzen in ganz Europa führen, denn es ist die Schlacht um die zukünftige Entwicklung, also ob wir uns lieber zur marktkonformen Demokratie verwursten lassen, so wie unsere Kanzlerin das ja schon vor Jahren angekündigt hat, oder ob wir die Demokratie und die anderen sozialen Werte hochhalten die ein freies und friedliches Europa ausmachen.

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